Amateurfunk? Amateurfunk!

Verehrte An- und Abwesende!

...sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst....“

mit diesen Worten eröffnete Albert Einstein am 22. August 1930 die Funkausstellung in Berlin. Die Abwesenden, an die sich der berühmteste Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts wandte, waren jene, die ihn im Radio hörten. Das modernsten Medium jener Zeit war so angesagt wie heute Smart-Phones und Internet. Jeder wollte Radio hören, und weil fertige Geräte ziemlich teuer waren, wurde Radiobasteln zu einem beliebten Hobby. Manche Radiobastler kamen auf den Geschmack. Sie wollten ihre Geräte verbessern und sogar selbst senden. Als Funkamateure schlossen sie sich in vielen Ländern zusammen und setzten das Recht auf eigene experimentelle Funkstationen durch. Mit ihren Kurzwellensendern nahmen sie über Grenzen und Kontinente hinweg Verbindung miteinander auf, verbreiteten das Fachwissen und leisteten wichtige Beiträge zum technischen Fortschritt. Seither sind Amateurfunkstationen rund um die Welt praktisch ununterbrochen auf Sendung und Empfang. Die internationale Gemeinschaft der Funkamateure hat sich der Erforschung und Entwicklung der drahtlosen Nachrichtenübermittlung und der Wellenausbreitung verschrieben, trägt zur Völkerverständigung bei und schafft in Notfällen und Katastrophen mit ihren Anlagen noch wichtige Verbindungen, wenn Telefon oder Handy schon lange nicht mehr funktionieren.

Weltweit gibt es heute fast 3 Millionen Funkamateure, davon ein Drittel allein in Japan. Sie gehören den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und Berufen an. Handwerker, Hausfrauen, Ingenieure, Sekretärinnen, Schüler und Studenten sind unter ihnen, aber auch Politiker, Professoren und Astronauten. Sogar Prinzen und Könige betreiben Amateurfunk. In Deutschland besitzen mehr als 65.000 Menschen zwischen 11 und 98 Jahren eine Genehmigung der Bundesnetzagentur (Stand 2016). Viele aktive Funkamateure sind im Deutschen Amateur Radio Club e.V. organisert. Der Verein bietet vielerorts Lehrgänge zum Erwerb der Amateurfunk-Genehmigung an. Morsen muss heute keiner mehr können. Dafür wird u.a. Wissen über moderne Digital- und Computertechnik vermittelt. Immerhin betreiben Funkamateure digitale Funknetze, in denen sie mit Handfunksprechern quer durch Europa und darüber hinaus Verbindungen aufbauen können. Der digitale Behördenfunk funktioniert hingegen an manchen Orten nicht einmal überall innerhalb der Stadt.

INFOs:

Amateurfunk ist die Beschäftigung mit Funk- und Nachrichtentechnik aus persönlicher Neigung, zur eigenen Fortbildung, experimentellen Zwecken und nicht aus gewerblichem, wirtschaftlichem Interesse. Er wird von Funkamateuren betrieben, die eine Genehmigung (Lizenz) ihrer nationalen Telekommunikations-Behörden besitzen. In Deutschland ist das die Bundesnetzagentur. Voraussetzung ist eine fachlichen Prüfung, auf die Kurse z.B. des DARC e.V. vorbereiten. Es gibt zwei Lizenzklassen. Die Klasse A berechtigt zum Funkbetrieb auf allen zugelassenen Bereichen des Amateurfunks. Sie erfordert umfassende technische Kenntnisse. Einfacher ist die Klasse E (Einsteigerklasse) zu erwerben. Sie gestattet die Nutzung einer Auswahl von Frequenzen mit geringerer, aber ausreichender Sendeleistung. Die Genehmigung ist mit geringen Jahresgebühren verbunden. Die deutsche Genehmigung wird in vielen Staaten zwischen Wladiwostok und Kap Horn anerkannt. Nur wenige Länder verbieten Amteurfunk ganz. Wer den Funkamateuren nur zuhören will, braucht keine besondere Genehmigung. Für die Sendearten und Frequenzen des Amateurfunks ist ein spezieller Empfänger nötig, der im Fach(-versand)handel problemlos zu bekommen ist. Mit so genannten CB- und PMR-Funkgeräten ist kein Amateurfunk möglich. Weitere Infos und Kontakt unter www.darc.de

Amateurfunk ist eine faszinierende Beschäftigung mit Physik und Technik. Funkamateure verwenden die modernsten Methoden der digitalen Nachrichtenübertragung, Computertechnik und Vernetzung über ein eigenständiges Datennetz und widmen sich der Pflege traditioneller Übertragungsverfahren wie der Morsetelegrafie. Sie stellen über Kurzwellen und eigene Satelliten Verbindungen zu den entlegensten Orten auf dem Erdball her. Sogar die Internationale Raumstation ISS hat eine Amateurfunkstation. Zu bestimmten Terminen können darüber z.B. Schulkinder direkt mit den Astronauten sprechen und unmittelbar am Abenteuer Raumfahrt teilhaben. Jugendliche finden im Amateurfunk eine wertvolle Orientierungshilfe bei der Berufswahl. Sie können Wissen und Fertigkeiten erwerben, die nicht nur in den so genannten MINT-Berufen* von hohem Nutzen sind. Wer mitten im Leben steht oder im Ruhestand den Beruf schon hinter sich gelassen hat, bleibt als Funkamateur am Puls der technologischen Entwicklung. Unabhängig vom Alter verstehen Funkamateure von den Wundern der modernen Technik deutlich mehr, als andere ZeitgenossINNen. (Oder eine Kuh von der Botanik ihrer Nahrung. Siehe oben.)


* MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Disziplinen mit großer Zukunftsrelevanz.

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